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Internet-Anonymität muss aufhören PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sjoeii   
Tuesday, 20. October 2009

Der Chief Executive Officer desAntiviren-Herstellers Kaspersky hat in einem Interview einige markanteAussagen zur Anonymität im Internet getroffen.

Kaspersky Antivirus ist Russlands Antiviren-Paket Nummer eins. Der ChiefExecutive Officer des Unternehmens, Eugene Kaspersky, gab ZDNetAsiajüngst ein Interview, als er an einer Interpol-Konferenz in Singapurteilnahm. Im Gespräch wurden einige klassische Punkte durchgekaut.Darunter die Konkurrenz durch Microsofts Antiviren Software oder diezunehmende Cyberkriminalität.

 


Einenbemerkenswerten Punkt brachte er jedoch an. ZDNet wollte von ihmwissen, welche drei Dinge er auf der Welt ändern würde, die in Bezugzur IT-Security stehen. Seine schlichte Antwort: Das Internetdesign.Eine sehr pauschale Antwort, so dass die Interviewerin nachbohrte, obdas alles sei. Was solle denn am Internetdesign falsch sein, wollte siewissen. Die Antwort und anschließende Richtung des Gesprächs war fasterschreckend.

"Dort herrscht Anonymität. Jeder soll und muss identifizierbarsein, oder einen Internet-Pass haben. Das Internet wurde nicht füröffentliche Zwecke entwickelt, sondern für US-amerikanischeWissenschaftler und das U.S. Militär. Das war nur eine limitiertePersonengruppe - einige Hundert, vielleicht tausend. Dann wurde es derÖffentlichkeit vorgestellt und es war so unglaublich falsch, ... esdieser auf dieselbe Art vorzustellen", so Kaspersky, "Ichwürde das Design des Internets gerne dadurch ändern, dass ich eineRegulierung einführe. Internet-Ausweise, Internet-Polizei undinternationale Abkommen über Internet-Standards. Und wenn einige Ländernicht zustimmen oder sich nicht an die Vereinbarung halten, dann kappt sie einfach ab."Eine Mischung aus Netzüberwachung, Three-Strikes-Gesetz und weiterenrestriktiven Maßnahmen? Man glaubt auf den ersten Blick, es wärevielleicht ironisch gemeint und nur ein Scherz.

Eugene Kaspersky, Axel GrieschDoch Kaspersky wird weiter befragt, ob es denn nicht genug sei, dass jeder Anschlussinhaber eine IP-Adresse habe, über die er identifizierbar wäre. Dies bestreitet er: "Mankann sich nie definitiv sicher sein, wer die Verbindung nutzt. Ich kannein WLAN betreiben, auf das ich per Passwort zugreife, aber ich kanndieses Passwort auch jemand anderem geben, um meine Verbindung zunutzen. Oder das Passwort wird gehackt. Selbst wenn die Ip Adresse zu einem Internet-Café zurückverfolgt wird, weiß man nicht welcherKunde oder welche Person hinter der Attacke steckte. Denken Sie mal anAutos. Man hat daran zwar ein Kennzeichen aber man braucht auch einenFührerschein."

Im weiteren führte Kaspersky aus, dass solch ein System nurschwerlich umzusetzen wäre. Es sei teuer, bürokratisch und überhauptmüssten erst einmal alle einen solchen Vertrag unterzeichen. DieNationen würden die Problematik verstehen, aber man würde hier - nachwie vor - ein nationales Denken anwenden. Das Internet kenne aber keineLandesgrenzen. Es sei eine neue Welt, in der man anders denken müsse.

Interessant ist, dass im Interview zwar alle "positiven"Aspekte erschöpfend dargelegt werden. Eine kritische Auseinandersetzungoder Fragestellung lässt man jedoch vermissen. Matt Zimmerman, Juristder Electronic Frontier Foundation (EFF) ist darüber wenig begeistert: "Mankönnte dieselben Argumente auf die Offline-Welt übertragen. JederEinkauf den wir machen sollte aufgezeichnet werden, wir sollten Bargeldverbieten, wir sollten überall Kameras aufstellen, weil in diesermassiven Datensammlung vielleicht etwas aufgezeichnet wird, dasirgendjemandem hilft. Aber wir sind auch davon überzeugt, dass diePrivatsphäre wichtig genug ist, um gegen solche Auswüchse geschützt zuwerden."

Ob man Verständnis für diese Ansichten aufbringen kann? NachKasperskys gewünschtem Weltbild müsste beispielsweise die Nutzung vonTOR oder ähnlichen Mechanismen illegal werden. Dass aber gerade dieseDienste es sind, die eine zensurresistente Plattform befeuern könnenund für wirkliche Informationsfreiheit sorgen können. Diesen Aspektscheint er gänzlich zu vergessen. Insbesondere in China ist die Nutzungvon Anonymisierungsdiensten wie TOR zu einem wichtigen Bestandteilgeworden. Man kann somit nur hoffen, dass Kasperskys "Wunsch" nach einem "geschlossenen" Internet nicht in absehbarer Zeit Realität wird.

Letzte Aktualisierung ( Tuesday, 20. October 2009 )